„Warum ist der Himmel blau?” — „Wo geht das Wasser hin, wenn es regnet?” — Kinder sind geborene Forscher. Die MINT-Bildung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) in der Kita knüpft an diese natürliche Neugier an.
Die Stiftung „Haus der kleinen Forscher”
Die Stiftung Kinder forschen (ehemals „Haus der kleinen Forscher”) ist mit über 33.000 teilnehmenden Einrichtungen die größte Initiative für frühkindliche MINT-Bildung in Deutschland. Ihr Ansatz: Kinder entdecken Naturphänomene durch eigenes Ausprobieren und Experimentieren — begleitet, nicht belehrt.
Was Forschung zeigt
Kognitive Grundlagen
Die kognitive Psychologin Alison Gopnik (UC Berkeley) beschreibt Kleinkinder als „kleine Wissenschaftler”: Sie bilden Hypothesen, testen sie und revidieren ihre Annahmen — genau wie Forschende. Dieses intuitive wissenschaftliche Denken sollte gefördert, nicht durch vorgefertigte Antworten ersetzt werden.
Langfristige Effekte
Eine Evaluation der Stiftung Kinder forschen durch die Freie Universität Berlin (Steffensky et al., 2018) zeigte: Kinder in zertifizierten Einrichtungen entwickeln ein stärkeres Interesse an Naturphänomenen und eine höhere Bereitschaft, Fragen nachzugehen. Der Effekt war unabhängig vom Bildungshintergrund der Eltern.
MINT im Kita-Alltag
Frühkindliche MINT-Bildung braucht kein Labor:
Mathematik
- Sortieren und Ordnen: Steine nach Größe, Blätter nach Form
- Muster erkennen: Perlen auffädeln in Reihenfolgen
- Messen und Vergleichen: Wer ist größer? Was ist schwerer?
Naturwissenschaft
- Wasser-Experimente: Schwimmt es oder geht es unter?
- Natur beobachten: Jahreszeiten, Wetter, Tiere im Garten
- Kochen und Backen: Aggregatzustände erleben
Technik
- Bauen und Konstruieren: Türme, Brücken, Rampen
- Werkstatt: Hämmern, Schrauben, Sägen (mit Begleitung)
- Mechanik: Zahnräder, Flaschenzüge, schiefe Ebenen
Die Rolle der Fachkraft
MINT-Bildung erfordert keine Fachexpertise, sondern eine forschende Haltung:
- Fragen stellen statt Antworten geben: „Was glaubst du, was passiert?”
- Gemeinsam staunen: Eigenes Nichtwissen als Chance nutzen
- Dokumentieren: Fotos, Zeichnungen, Lerngeschichten
- Alltagssituationen nutzen: Jeder Moment kann ein Forschungsmoment sein
Quellen:
- Gopnik, A. (2012). Scientific thinking in young children. Science, 337, 1623–1627.
- Steffensky, M. et al. (2018). Wirkungen naturwissenschaftlicher Bildungsangebote. Berlin: Stiftung Haus der kleinen Forscher.
- Fthenakis, W. E. (2009). Natur-Wissen schaffen. Band 3. Troisdorf: Bildungsverlag EINS.