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Musik und Gehirn: Wie Musizieren die kindliche Entwicklung fördert

Morgenkreis-Lieder, Klatschspiele und Rhythmik-Stunden gehören zum Kita-Alltag. Doch die Wirkung von Musik geht weit über das gemeinsame Singen hinaus: Die Neurowissenschaft zeigt, dass Musizieren das kindliche Gehirn auf einzigartige Weise formt.

Was im Gehirn passiert

Die Neurowissenschaftlerin Anita Collins hat die Forschung zur Wirkung von Musik auf das Gehirn zusammengefasst: Beim Musizieren werden gleichzeitig visuelle, auditive und motorische Areale aktiviert — kein anderer Reiz erreicht eine vergleichbare Aktivierung. Das Ergebnis: stärkere Verbindungen zwischen den Gehirnhälften, insbesondere im Corpus callosum.

Konkrete Forschungsergebnisse

Sprache und Musik

Eine Studie der Universität Zürich (Jentschke & Koelsch, 2009) fand, dass Kinder mit musikalischem Training besser in der Lage sind, grammatikalische Regelverletzungen in Sprache zu erkennen. Die Verarbeitung von Syntax in Musik und Sprache nutzt offenbar teilweise die gleichen neuronalen Netzwerke.

Arbeitsgedächtnis

Roden et al. (2014) zeigten in einer kontrollierten Studie mit Grundschulkindern, dass ein halbes Jahr wöchentliches Musiktraining zu signifikanten Verbesserungen im verbalen Arbeitsgedächtnis führte — stärker als bei einer Kontrollgruppe mit naturwissenschaftlichem Training.

Soziale Kompetenz

Die Bastian-Studie (2000, Universität Frankfurt) — eine der größten Langzeitstudien zur Wirkung von Musikunterricht — fand, dass Kinder in musikbetonten Klassen ein besseres Sozialklima, weniger Aggression und eine höhere Konzentrationsfähigkeit zeigten.

Musikalische Bildung in der Kita

Musikalische Bildung muss nicht perfekt sein — sie muss regelmäßig und lustvoll sein:

Der „Mozart-Effekt” — ein Mythos

Der viel zitierte „Mozart-Effekt” — die Idee, dass passives Hören von Mozart-Musik intelligent macht — ist wissenschaftlich nicht haltbar. Der ursprüngliche Effekt (Rauscher et al., 1993) war minimal und konnte in Folgestudien nicht repliziert werden. Was hingegen nachweislich wirkt, ist aktives Musizieren über einen längeren Zeitraum.


Quellen: